Halbwahrheiten bei PEGIDA?

Vom Weihnachtsmarkt zum Wintermarkt, von christlicher Weihnachtsdeko zu neutralen Festschmuck und Gegendemonstranten, die bezahlt worden sein sollen.
Solche Sachen kann man momentan auf der facebook-Seite von PEGIDA lesen oder auf der gleichnamigen Demonstration hören, aber was ist dran an diesen Aussagen?

Lutz Bachmann, ein Redner und Mitglied des sog. „OrgaTeams“ für die PEGIDA-Demonstration in Dresden, sagte in einem Interview mit der Sächsichen Zeitung und auf der Demonstration am 01.12.2014, sinngemäß:

„Der Weihnachtsmarkt in Berlin heißt nun ‚Wintermarkt’… es wird nicht mehr lange dauern, dann wird der Weihnachtsmann verschwinden.“

Woher er diese Information hat, sagte er nicht, aber so für sich alleinestehend, ist diese Aussage sehr beunruhigend für christlich geprägte Menschen. Entspricht das jedoch auch der Wahrheit?

Hier muss man ganz klar mit „Nein“ antworten!
Zitat von BILDblog:

„Das ist alles Quatsch. Kein Kreuzberger Weihnachts- oder Wintermarkt musste sich umbenennen, und es hat sich auch keiner umbenannt. Es gibt auch keine Vorschriften oder Regeln dafür. Ob „Winter“ oder „Weihnacht“, ist den Behörden völlig wurscht. Jeder Markt heißt so, wie er will, und neu ist das alles auch nicht.

Das „Winterfest am Mehringplatz“ gibt es schon seit 2012 und heißt seitdem so — ganz freiwillig, wie uns das Quartiersmanagement auf Nachfrage mitteilte.

Auch die Sprecherin des „Kreuzberger Wintermarkts“, der in diesem Jahr zum ersten Mal stattfindet, erklärte uns, dass der Name und das Konzept aus freien Stücken gewählt wurden.“

Bachmann sagte auf der Demonstration vom 01.12.2014 auch Folgendes:

„In einigen Städten unseres Landes ist Weihnachtsschmuck und -deko, auf öffentlichen Plätzen aufzustellen, mittlerweile verboten. Ja sogar dem guten alten Weihnachtsbaum geht es an den Kragen.“

Diese Aussage setzt im Prinzip zur falschen Aussage, dass Weihnachtsmärkte nun Wintermärkte heißen, dem Ganzen die Krone auf. Nicht mal schmücken dürfen wir unsere Plätze, wie wir wollen wegen „religiösen Gefühlen“.

Natürlich ist an dieser Behauptung nichts Wahres dran.

Es gab in Solingen (16.08.2013) mal EINE Debatte darüber, ob man nicht vielleicht religiös-neutralen Weihnachsschmuck/-Beleuchtung verwenden sollte, aber eine Durchsetzung gab es in dieser Form nirgends in Deutschland!
Hier der Link zur Erläuterung -> http://www.solinger-tageblatt.de/Home/Solingen/Beleuchtung-Debatte-um-christliche-Symbole-6c7578be-bd60-41e9-bb05-5c6f52b0403a-ds

Und falls „Wintermärkte“ neutrale Beleuchtung oder Schmuck verwenden, dann ist das auch deren Sache. Man kann sich ja darüber aufregen, aber eine gesetzliche Verordnung wird es niemals in Deutschland geben, wie man einen Weihnachtsmarkt zu schmücken hat. Muslime hin oder her.

Weiterhin äußerte er sich über die „Gendergrechtigkeit“ der Sprache und der sog. „political correctness“ und deren abstruse Ausmaße. Als ein Beispiel nennt er „Professx“. Problem an der Äußerung ist, dass das auch keine beschlossene Sache ist, sondern wieder nur eine Debatte, die geführt worden ist von Lann Hornscheidt. Und die gendergrechte Sprache wird sowieso meistens nur in wissenschaftlichen Arbeiten oder auf Wunsch der jeweiligen Person angewandt. Den normalen Sprachgebrauch schränkt das fast gar nicht ein. Aber Herr Bachmann hängt noch die Aussage:

„Unter solchen Umständen wären ‚Faust‘ oder die ‚Buddenbrooks‘ nie entstanden. Menschen wie Goethe, Schiller und die Gebrüder Mann würden sich im Grabe herumdrehen für diese bekloppte Vergewaltigung unserer Sprache.“

hinten dran.
Kleine Nachhilfestunde für Herrn Bachmann, an dieser Stelle. Goethe und Schiller lebten in einer Zeit, da gab es so etwas wie eine festgeschriebene Grammatik oder Rechtschreibung nicht. Da hat man geschrieben wie man wollte, Hauptsache war es, dass es erkennbar welches Wort (mit jeweiligen Bedeutungsinhalt) gemeint war. Goethe und Schiller hätten also dennoch so geschrieben wie sie es gewohnt waren. Bei den Gebrüder Mann trifft wenigstens der zeitliche Kontext etwas, jedoch kann er nicht wissen, ob die sich wirklich darüber aufgeregt hätten -das kann niemand.

Hier die Rede, auf die ich mich bezogen habe.
https://www.youtube.com/watch?v=lpreaat7O20

Auf der facebook-Seite von PEGIDA wurde folgender Link (12. Dezember 2014), mit dem Vorwurf der „bezahlten Gegendemonstranten“, zu „MMNews“ mit einem screenshot einer mail geteilt:

10599283_939451436066647_6589326601154610916_nWie man erkennt, ist die „Arbeitszeit der bezahlten Gegendemonstranten“ kreativ gewählt. Von 13:30 bis ca. 20:00 Uhr. Die Pegida-Demonstration startete 18:30. Die „Scheindemonstranten“ sollten also vermutlich schon fünf Stunden vorher, „Dresden gegen die Patrioten“ mit Luftballonbefüllung und dem Steigenlassen der selben „aufbringen“. Dass dieser Vorwurf absolut lächerlich ist, brauch‘ ich an dieser Stelle wohl nicht schreiben.

Die facebook-Seite „PEGIDA#watch“ thematisierte diese mail ebenfalls:

Auf der Pegida-Seite und über diverse Sympathisanten kursiert aktuell die sensationelle(!) Meldung, man könne beweisen, dass die sächsische Regierung am vergangenen Montag „Demonstranten bezahlt hat“. Was in der Tat skandalös wäre, würde es denn zutreffen.
Denn der sogenannte „Beweis“ besteht aus einer Email, der Promoter-Agentur „Blaumond24“, in der Promoter für das Befüllen von Luftballons gesucht werden.
Wer am Montag vor Ort war, kann sich sicher erinnern, dass im Stadtgebiet Menschen mit weißen Luftballons, als Zeichen für Toleranz zu sehen waren.
Konkret handelte es sich um 3.000 Ballons, welche an 6 unterschiedlichen Standorten im Stadtgebiet verteilt wurden. Hierfür haben 12(!) Promoter in der Tat 10,00 € pro Stunde erhalten.

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man es fast lustig finden, dass diese Information, ganz klar aus der Email hervorgeht und einfach überlesen wird. Aber bei Pegida wird ja häufig nach dem Motto verfahren: „Wozu braucht man Fakten, wenn man eine Meinung hat?“
Nur kurz zum Nachrechnen: 9000 Demonstranten von 13:30 bis 20:00 Uhr mal 10 € ergibt: 9.000 x 6,5 x 10 = 585.000 € pro Woche. Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass in der Anzeige deutlich zu lesen ist: „über Gewerbeschein“, was die Annahme, dass dort Demonstranten gesucht werden, noch viel absurder macht, es sei denn, das Gewerbeamt führte seit neustem eine Kategorie „Berufsdemonstrant“ …

Was Pegidas „Demonstrant / m²“ betrifft, so fragen wir uns, was da gerechnet wurde. Allein die Fläche zwischen Rathausplatz und Schulgasse ist mehr als 9.000 m² groß (http://goo.gl/wHlYX3). Da die Demonstration sich beinahe bis zur Altmarktgalerie zurück gestaut hatte, war es für die Gegendemonstranten zwar durchaus kuschelig, diese mussten aber keineswegs „übereinander“ stehen. Mit der Geräumigkeit eines dunklen, abgelegenen Skaterparks kann die Fläche natürlich nicht dienen
Viel Spaß, liebe Pegida, bei der Nachhilfe im Lesen und Rechnen .“

Die „Informationen“, die Pegida unter mehrere tausend Menschen streut, ist mehr als fragwürdig und bedarf gründlicher Recherche. Eine Frage bleibt allerdings offen:

Wo liest, zum Beispiel Herr Bachmann, diese Informationen?

Ich habe einfach mal gegoogelt: „weihnachtsmarkt kreuzberg muss sich umbenennen in wintermarkt“

Die ersten drei Treffer sind: BILDblog.de (die Richtigstellung, dass das Blödsinn ist), B.Z. Berlin und eine Seite, die sich „PI-News“ nennt.

Bei der Google-Suche für die Weihnachtsdeko-Sache: „weihnachtsdeko verboten religiöse symbole“

Die ersten drei Treffer sind: ein Blog mit Namen „Kopten ohne Grenzen“ (verweißt im Artikel auf „MMNews“ als Quelle), das Solinger Tageblatt und wieder die Seite „PI-News“.

Interessant ist dass der 3. Treffer wieder diese Seite ist, und noch interessanter ist ihr Schreibstil:

„Die vorauseilende Unterwerfung der linksgrünen Volksverräter schreitet immer drastischer voran. Im Berliner Stadtteil Halbmondberg – früher als Kreuzberg bekannt – ist nun das Weihnachtsfest auf öffentlichen Plätzen verboten worden. Verantwortlich für diesen rückgratlosen Kniefall vor den orientalischen Invasoren sind die Islamspeichellecker von Grünen, Linken und Piraten. Anti-patriotische Deutschland- und Christenhasser erweisen sich als willige Steigbügelhalter der Islamisierung. Der Ausverkauf mitteleuropäisch-christlicher Werte hat begonnen, die Machtübernahme des Islams wird vorbereitet. […] Linke Anti-Patrioten zerstören die Wertebasis unseres Landes und bereiten den Boden für einen islamischen Gottesstaat. Die Anklageliste von Nürnberg 2.0 dürfte um einige Namen erweitert werden. […] Die Linken sind die Totengräber Deutschlands.“ (Link zur Quelle)

In dem Artikel zu Solingen gibt es auch merkwürdige highlights:

„Solingen ist zuletzt dank politischer Richter in die Schlagzeilen geraten, die ihre lächerlich milden Strafen für Salafisten, die Polizisten brutal angegriffen haben, mit ihrer Abneigung gegen Pro NRW begründet haben (PI berichtete). Jetzt hat “City-Manager” Christoph Krafczyk (Foto) die Stadt mit einer schlecht verschlüsselten Forderung nach einer Weihnachtsbeleuchtung ohne christliche Symbole erneut in fragwürdige Schlagzeilen gebracht. Aber es gibt auch Kritik und Unverständnis. […] Für Irritationen und Unmut jedoch sorgte Christoph Krafczyk, sogenannter City-Manager des Solinger Innenstadtbüros, mit seiner Ankündigung, das neue Lichtkonzept zur Weihnachtszeit setze auf “neutrale Elemente”. Es solle “jeden” ansprechen, “schließlich leben wir in einer multikulturellen Welt” – eine dümmliche und schlecht verschlüsselte Forderung nach einer Weihnachtsbeleuchtung ohne christliche Symbole.“ (Link zur Quelle)

Objektive Berichterstattung ist das gewiss nicht, jedoch besorgniserregt, dass solche Pseudo-Nachrichtenseiten so weit oben in der Google-Suche dabei sind.

Quellen:

http://www.pi-news.net/2013/08/solingen-weihnachten-ohne-christliche-symbole/

http://www.pi-news.net/2013/09/berlin-kreuzberg-weihnachten-abgeschafft/

http://www.mmnews.de/index.php/politik/14645-berlin-verbietet-weihnachten#13778853945952&if_height=6704

http://www.mmnews.de/index.php/politik/30188-pegida-sachsen-zahlte-fuer-gegendemo-10-euro-stunde

http://www.solinger-tageblatt.de/Home/Solingen/Beleuchtung-Debatte-um-christliche-Symbole-6c7578be-bd60-41e9-bb05-5c6f52b0403a-ds

http://www.bildblog.de/62255/das-bams-maerchen-vom-weihnachtsmarktverbot/

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/profx-als-geschlechtergerechte-sprache-fuer-professoren-13268220.html

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  1. #1 von Afd Berlin Wähler am Dezember 15, 2014 - 12:18 pm

    Es gibt keine Zulassung für religiös geprägte öffentliche Veranstaltungen in Kreuzberg. Sie kriegen KEINE ZULASSUNG für einen Weihnachtsmarkt !
    Kreuzberg ist Grün Regiert und voller GutmenschenInnenen.

  2. #3 von Afd Berlin Wähler am Dezember 15, 2014 - 12:25 pm

    Wie man erkennt, ist die “Arbeitszeit der bezahlten Gegendemonstranten” kreativ gewählt. Von 13:30 bis ca. 20:00 Uhr. Die Pegida-Demonstration startete 18:30. Die “Scheindemonstranten” sollten also vermutlich schon fünf Stunden vorher, “Dresden gegen die Patrioten” mit Luftballonbefüllung und dem Steigenlassen der selben “aufbringen”. Dass dieser Vorwurf absolut lächerlich ist, brauch’ ich an dieser Stelle wohl nicht schreiben….

    AUCH FALSCH.
    Die erste Gegendemo ist am Nachmittag gewesen. Deswegen auch die Zahl von 9000 Gegendemonstranten. Auf einem Haufen waren die NIE.
    Man steht hier viel Bullshit !

    • #4 von erikschueler am Dezember 15, 2014 - 2:51 pm

      Okay, es gab vorher schon eine Gegendemo, aber wenn man nach „Promotern“ sucht, sind das noch lange keine Demonstranten. Und hier steht gar kein bullshit. Alles sauber mit Quellen angegeben zum Nachvollziehen.

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