Eine Hausaufgabe

Dieser Artikel weicht sehr von meinen gewöhnlichen Artikeln ab, aber das wird hoffentlich nicht stören.

Der Artikel ist eigentlich eine Hausaufgabe gewesen, die ich 1 zu 1 übernommen habe. Hierbei handelt es sich um einen von mir geschriebenen Tagebucheintrag von Fabian aus dem Buch von Erich Kästner „Fabian, die Geschichte eines Moralisten“, das heißt der Artikel ist eine gestaltende Interpretation. Der Zeitraum des Buches umfasst einen Teil der Situation vor der Machtergreifung Hitlers und ist eine Satire von dem Gesellschaftscharakter der Berliner. (sehr lesenswert)

13.März 1929

Liebes Tagebuch, ich bekomme immer mehr das Gefühl, dass in Berlin nur Tiere leben und keine Menschen. Es wird den Trieben gefolgt als können man nichts dagegen tun. Aber die Differenz zwischen Mensch und Tier ist die Vernunft, welcher man sich hier nicht bedient, weshalb hier jeder in meinen Augen einem Tier gleicht oder , je nach Situation, einem Irren.

Und in den Haufen von Irren bin ich. Jedoch bin ich kein Mitglied von dieser Masse, denn mein Tun entspricht nicht dem was scheinbar alle tun. Ich beobachte, analysiere und interpretiere das Verhalten dieser trieborientierten Masse. Jenen Gesellschaftscharakter vergleiche ich mit meiner Moralvorstellung. Das Resultat ist fast immer dasselbe… der Untergang. Egal welche Variable in meiner moralischen Gleichung vorkommt und egal welchen Wert diese annimmt, die Unvernunft zerstört jede Hoffnung von meiner Seite zur Erziehung des Menschen hin zur Vernunft und Anständigkeit. Und das, obwohl jeder von uns die Begabung der Vernunft in sich trägt -dessen sind wir uns bewusst, aber „es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun“, das sagte schon Goethe. Allerdings sollte ich mir selbst ein Beispiel an jenem Zitat nehmen, denn ich weiß um die Unvernunft der Anderen und wende mein Wissen nicht an. Wie auch? Ich bin der Fachmann der Planlosigkeit und fühle mich nicht zum Tatendrang hingezogen. Ich bin ein moralischer Beobachter, der zuweilen am Verzweifeln ist, aber die Verzweiflung ist niemals groß genug um meinem tristlosen Dasein ein Ende zu bereiten. Stattdessen warte ich auf einen Bus, welcher mich in ein besseres System überführen kann. „Nächster Halt: Utopia“, dort könnte ich funktionieren und auf der Fahrt zu jenem Ort, winke ich den Geschwistern Machthunger und Geldgier zum Abschied.

Der Sinn meines Lebens. Eine einzige Traumvorstellung, aber dennoch bin ich lieber ein unzufriedener Mensch, als ein zufriedenes Schwein.

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