„Nur wer nicht geliebt wird hasst, nur wer nicht geliebt wird.“

„Junge Israelis wollen das Andenken ihrer Vorfahren bewahren. Deshalb lassen sie sich tätowieren – mit KZ-Nummern.“

Ein Zitat aus der Tageszeitung- Online (hier zur Quelle).

Die Geschichte bewahren zu wollen ist wirklich klasse und dass man der Erhaltung so nachgeht ist einerseits besonders, aber andererseits kann es das Schlimmste sein, was man tun kann. Warum? Durch dieses Tattoo sorgt man nicht nur dafür, dass man die Vergangenheit niemals vergisst, sondern kann damit auch indirekt dafür sorgen, dass ein Hass erhalten bleibt. Auf wen dieser Hass projiziert wird kann sich jeder denken. Nazis, Antisemiten und die Leute, die zugesehen haben wie Juden verschleppt wurden sind. Die „Zuschauer“ sind aber eine stetig sinkende Zahl, Antisemiten und Nazis sind auch nicht wirklich wahnsinnig viele auf der Welt. Die Überhand der Menschen hat nichts gegen Juden oder andere Religionen. Dennoch hat man das Gefühl, dass die Juden in Israel das anders sehen (siehe Video ab Minute 7 bis 11).

„Geheimdienstleute sind dabei um den Kontakt mit Leuten vor Ort zu verhindern. Ihr werdet dort auf Menschen treffen, die uns nicht mögen. Ihr werdet es merken! Selbst heute noch können sie uns nicht leiden.“

An dieser Stelle wurde ich stutzig. Diese jungen Juden werden nach Polen fliegen um dort einen Friedhof zu besuchen und ein KZ. Weil man sie nicht leiden kann lässt man sie auch dorthin und dass der Geheimdienst Kontakt zu anderen vermeiden will ist noch viel seltsamer. Irgendwas passt nicht zusammen. Aber es kommt noch heftiger.

Yair: „Das macht uns so besonders. Keiner kann uns leiden und wir sind stolz darauf.“

Adi: „So werden wir erzogen. Wir wissen, dass wir gehasst werden. Wenn du als Kind schon weißt, dass du gehasst wirst und weißt was damals im Holocaust mit deinen Vorfahren passiert ist. Dann entwickelst du Wut auf die anderen. Leid, Wut und sogar Hass.“

Notar: „Alle hassen uns Juden. Damit wachsen wir auf. Mit Hass und Antisemitismus. Ich kann mich nicht erinnern, wann es das mal nicht gegeben hat.“

Perlin: „Das wird bestimmt die Israelin in mir stärken, die Jüdin.“

Diese Jugendlichen haben seit ihrer Kindheit erzählt bekommen: „Außerhalb von Israel hassen dich alle. Sie mögen dich nicht. Sie sind alle Antisemiten. Du darfst niemals vergessen was im Holocaust passiert ist. Du musst den Hass und die Wut weiterleben.“

Unter diesen Umständen kannst du niemals ein offener Mensch werden. Außerdem wird der Blick fixiert. Jeder kennt vielleicht das Phänomen, wenn man von etwas Neuem hört, aber es noch nicht gesehen hat. Dann sieht/hört man das Gemeinte und plötzlich kommt es einem so vor, als würdest du jetzt ständig über genau das Gemeinte stolpern. Und diese Erscheinung wird diese Kinder noch ihr ganzes Leben lang prägen. Sie werden in einem Mann wie Günter Grass immer nur den Antisemiten sehen, obwohl der Mann Kritik am Staat Israel ausgeübt hat. Für mich war diese Reaktion total überzogen und fast albern, aber jetzt versteh ich das endlich. Wer so erzogen wird, wird paranoid und sieht förmlich den mordenden Nazi vor der nächsten Ecke schon.

Dennoch kommt es noch krasser im Video (18 min 36 s).

Dieser ältere Herr hat sich einen Spaß erlaubt! Ein anderer Herr lacht sogar und das eine Mädchen behauptet sie habe alles verstanden („Er redet schlecht über Israel. Er sagt, wir sind Hexen.“).

Dialog zwischen dem Mann und dem Mädchen.

Das Mädchen: „Grad heute Morgen haben wir drei alte Männer getroffen. Sie saßen auf einer Bank und haben gehört, dass wir aus Israel sind. Sie haben schlimme Sachen zu uns gesagt.“

Der Mann: „Sowas haben sie nicht gesagt.“

Das Mädchen: „Nein?“

Der Mann: „Nein.“

Darauf das Mädchen: „Doch!“

Der Mann antwortet wieder: „Nein.“

Verrückter geht es fast gar nicht mehr. Man ist der festen Überzeugung an jeder Ecke lauert ein Antisemit und selbst harmlose Aussagen werden falsch dargestellt.

Dieser Faden zieht sich durch die gesamte Dokumentation. Niemand mag Juden. Keiner will Juden bei sich haben. Jeder hasst Juden. Alle Menschen in Europa, Amerika und im arabischen Raum (außer Israel) sind Antisemiten.

Charlie Chaplin hatte also Recht mit dem Satz:

„Nur wer nicht geliebt wird hasst, nur wer nicht geliebt wird.“

Israel muss auf kurz oder lang weg von dieser, ja man kann schon sagen, Propaganda. Ansonsten werden der Hass, die Wut und das Leid in einer gefährlichen Mischung zu einer Katastrophe führen. Und die gegenwärtige Situation zwischen Iran und Israel hat Potenzial für eine solche Katastrophe. Hoffen wir das Beste für die Zukunft. Auf das es noch mehr Menschen gibt wie Ronny Edry und der Hass in der Welt keinen Halt mehr findet. Bei niemanden. Bei keiner Hautfarbe. Bei keiner politischen Überzeugung. Bei keiner Religion. Bei niemanden.

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  1. #1 von dieandereperspektive am November 4, 2012 - 7:03 pm

    Dazu passt der Spruch: „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.“

    • #2 von erikschueler am November 4, 2012 - 8:55 pm

      Ich versteh gerade den Zusammenhang nicht. Kannst du das bitte noch erläutern?

      • #3 von dieandereperspektive am November 5, 2012 - 11:39 am

        Wenn man selbst in etlichen Massakern verwickelt ist und man nicht gerade eine weisse Weste vorzeigen kann, dann sollte man nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Seit wann wird Unrecht durch Unrecht gesünht?

      • #4 von erikschueler am November 5, 2012 - 5:40 pm

        Achso, jetzt hast du mir eingeleuchtet 🙂

  2. #5 von Marion am April 12, 2013 - 11:43 am

    Großartig, deine genaue differenzierte Sicht. Ich gebe dir recht in allem, was du oben sagst.

    Ich habe mich öfter diffus gefragt, warum der Hass in Israel eine so lange Tradition hat und fast schon mit der Muttermilch weiter gegeben wird, wie mir scheint. Ich habe mich gefragt, wie das alles je heilen und aufhören kann, diese unendliche Bürde der Vergangenheit, die wieder auf die Zukunft gelegt wird?! Es hat mich hoffnungslos und traurig gemacht, das Gefühl: So wie das da läuft, das kann so nicht enden!

    Dein Beitrag zeigt eine Lösung, die so nahe liegt und doch von mir bisher noch nie gedacht worden war. Ich danke dir für diesen Herzensimpuls. Der mir zeigt, wie ich bei mir anfangen kann, auch in diesem Thema. Letztlich beginnt es immer bei mir, in mir.

    LG
    Marion

    • #6 von erikschueler am April 13, 2013 - 7:39 pm

      Das freut mich natürlich sehr, wenn mein Blogartikel Dich so sehr beeinflusst hat. Solche Reaktionen machen mir Mut weiterzumachen mit bloggen.

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