Problem des Überflusses

Ein vielleicht klassisches Problem einer Familie.

Die Eltern haben gekocht für die ganze Familie, aber es ist zu viel. Obwohl jeder so viel gegessen hat, dass er satt ist. Der Vater sagt, dennoch zu seinem achtjährigen Sohn, dass er noch was essen könne, weil er erstens noch nicht satt sein könne und die Mutti sich freuen würde, wenn alles alle ist.

Die Problematik in diesem Szenario ist der eindeutige Überfluss an Essen und die Fehleinschätzung des Vaters, der glaubt es sei nicht genug gegessen worden. Das Satt-sein bedeutet eigentlich schon, dass man zu viel gegessen hat und der Körper nun wirklich nicht noch mehr Nahrung braucht.

In Überflussgesellschaften herrschen ähnliche Verhältnisse vor. Es ist zu viel da, aber jeder hat mehr als genug. Er ist also schon satt. Die Werbung setzt in die Gesellschaft jedoch das Bedürfnis, dass sie immer noch nicht genug haben und unglücklich werden, wenn sie Produkt xy nicht kaufen oder konsumieren. Das Gefühl des „Ich-habe-immer-noch-nicht-genug“ greift ein und die Werbungskonsumenten reden mit Menschen, die die Werbung vom Produkt xy nicht kennen und zeigen wie toll das doch ist. Das System „Werbung“ macht sich hier selbstständig, denn Drittpersonen werden schon informiert und das ohne, dass sie die Werbung jemals gesehen haben. Die Gesellschaft lebt das Produkt nach außen und dadurch bekommt es gesellschaftliche Relevanz, denn es scheint ja jeder zu besitzen und muss auch wahnsinnig wichtig sein. Das Produkt xy ist nur dadurch so wichtig geworden, weil man es medial verbreitete und man sich darüber unterhielt. Ohne diese Öffentlichkeits- und Veröffentlichkeitsarbeit wäre es niemals gekauft wurden, weil es überflüssig ist, aber in den Medien wird entgegen jeder Logik für so viel Müll geworben, dass man den Anschein bekommt es handle sich um die eigene Luft zum Atmen, welche man jetzt käuflich erwerben müsse.

Einfach mal Genügsamkeit üben und vor allem leben. Man wird erstaunt sein wie viel Geld am Ende des Monats noch übrig ist, wenn man überflüssige Dinge weglässt.

„Wir müssen den Rausch des „Immer- Noch- Mehr“ brechen.“ Stéphane Hessel

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  1. #1 von dieandereperspektive am Oktober 5, 2012 - 6:10 am

    Es ist leider so. Je voller die Bäuche, desto intoleranter die Gesellschaft. Unser Leben ist nur schön, wenn es Grenzen nach unten und nach oben gibt. Das kann man in jedem Lebensbereich anwenden.

    • #2 von erikschueler am Oktober 5, 2012 - 3:56 pm

      Je mehr ich habe, desto mehr Angst habe ich, dass ich das verlieren könnte. Je weniger ich habe, desto mehr Probleme habe ich Grundbedürfnisse zu befriedigen. Das gesunde Maß zw. beiden zu finden ist wichtig.

      • #3 von dieandereperspektive am Oktober 5, 2012 - 5:03 pm

        Es ist die Basis, auf der sich erst ein Weg, unabhängig von der Zweckbindung (Nahrungsbeschaffung), entwickeln läßt. In den 70er und 80er Jahren konnte man das auch in Deutschland (BRD) verfolgen, weil es dort noch Prinzipen und Werte gab, vorallem aber auch ein Sozialsystem, das noch zu ließ, dass sich jeder Bürger eine Existenz selbst aufbauen konnte, ohne dabei unternehmerisch tätig zu sein. Das gab es aber nur, um gegenüber dem Osten glänzen zu können. Der Mauerfall war auch gleichzeitig der Fall von Moral und Wohlstand und der Startschuß zur Casino-Politik (Räumungsverkauf DDR).

      • #4 von erikschueler am Oktober 5, 2012 - 5:21 pm

        DDR kenne ich nur aus Erzählungen und dem Geschichtsbuch. Einiges war gut, aber solche „Späße“ wie Planwirtschaft war schon ziemlich unüberlegt. Ich glaube die Erneuerung von Werten und Normen wäre angebracht damit wir die Kurve noch kriegen. Aber das wohl nichts, wenn ein Großteil mit den Schultern zuckt bei den Wörtern „Krieg“, „Tod“ und „Zukunft“.

      • #5 von dieandereperspektive am Oktober 5, 2012 - 11:23 pm

        Die menschliche Variante von Sozialismus ist Parteienkastendenken. D.h. durch Planwirtschaft wird gesteuert. Die Freiheit der menschlichen Schöpfungsgabe nur so zu begrenzen, dass lediglich keine Gier und Armut entsteht, das ist bisher nie gelungen, weil der Herdentrieb zum Regieren von oben nach unten geradezu einlädt. In dem Moment wo so etwas entsteht ist das der Anfang vom Ende. Die Lösung steckt für mich in Rahmenbedingungen schaffen und örtliche Kommunalverwaltungen bilden.

      • #6 von erikschueler am Oktober 6, 2012 - 10:06 am

        Du willst also die Demokratie von ganz oben nach ganz unten durchreichen. Ein flexiblere Regierung wäre dadurch möglich und die Leute würden direkt Einfluss nehmen können. Wäre ziemlich klasse, aber in bestimmten Regionen würde auch eine rechtslastige Einstellung sich integrieren.

      • #7 von dieandereperspektive am Oktober 6, 2012 - 11:56 am

        Ich glaube kaum, dass sich diese rechtslastigen Gesinnungen lange halten werden, wenn die Bürger mal direkten Einfluss darauf haben. Wichtig ist bei diesem Prozeß, dass Ursache und Wirkung endlich klar erkannt und zugeordnet werden können. Solange da nicht möglich ist, sind Fehlentscheidungen (Wahlirrtümer) noch möglich, jedoch wird sich das mit der Zeit ändern. Dieser Lernprozeß ist unvermeidlich, wie auch die Änderung der Personen, die die Verantwortung dafür übernehmen werden. Das ist doch das größte Problem überhaupt, dass solange ein Obrigkeitsdenken breit macht, keine Verantwortung für das was man tut übernommen werden muß. In einer Bürgerwahl ist das aber damit abgeschafft, d.h. jede Wirkung einer Entscheidung ist
        direkt ableitbar.

      • #8 von erikschueler am Oktober 7, 2012 - 10:03 am

        Stimmt, wenn die Leute wissen, dass sie Verantwortung tragen, dann handeln sie auch verantwortungsbewusst.

  2. #9 von dieandereperspektive am Oktober 7, 2012 - 12:18 pm

    D.h. erst durch direkte Mitbestimmung(direkte Verantwortlichkeit und Rechenschaftspflicht vor dem Wähler) kann man auch Vertrauen haben, alles andere ist brainwashing. Jede andere Form einer Regierung ist eine Diktatur (hier gerne auch mit Sozialismus verwechselt).

  1. KFG-Infoliste 37 vom 1. Oktober 2012 « Karfreitagsgrill-Weckdienst

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