Auslese führt zur Ausgrenzung


Bereits nach der Grundschule beginnt die Auslese unserer Kinder nach ihrer Leistung, auch wenn sie keine Ahnung haben was Leistung überhaupt ist. Freundschaften zwischen den gesellschaftlichen Schichten werden zerrissen und die Spreu wird vom Weizen getrennt. Die Realität zeigt, dass Kinder aus besserverdienenden Familien eher auf das Gymnasium gehen als Unter- bzw. Mittelschichtenkinder, dadurch entsteht nicht nur eine leistungsorientierte Auslese, sondern auch eine schichtenbezogene. Für „besondere“ Fälle gibt es noch Sonderschulen, wo geistig oder körperlich benachteiligte Kinder für sich sind um ihnen zu zeigen: „Ihr gehört nicht zu uns, weil Ihr anders seid.“

Im späteren Leben zeigt sich eine ähnliche Abgrenzung, wie der Arzt, der in einer Siedlung mit anderen Wohlhabenden wohnt und mit Verachtung auf Unter- und zum Teil Mittelschichtenkinder herunter schaut und sich denkt: „Bloß gut, dass mein(e) Kind(er) mit denen niemals groß geworden ist.“ Oder der Mittelschichtler in der großen Mietwohnung, dessen Kinder die Abscheu der Wohlhabenden sehen, kennen und spüren, weshalb sie diese auch weiter nach unten reichen in die Unterschicht. Mitten drin die Benachteiligten in Geist und Körper, welche niemand gerne sieht und keiner weiß den Umgang mit ihnen, weil es „abnormal“ ist und man so etwas ja noch niemals gesehen hat. Woran könnte das wohl liegen?

Warum bildet man nicht Komplexe, wo alle gemeinsam hingehen und ich meine nicht, dass geistig Gehandicapte mit nicht geistig Gehandicapten unterrichtet werden, das wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Ich meine nur, dass sie denselben Bildungsort besuchen, dadurch wird man frühzeitig mit der Realität konfrontiert und wächst mit einem Gespür für die Gesellschaft und den Umgang mit solchen Menschen auf. Ein nachhaltiges, kollektives Gefühl von „Wir-brauchen-uns-einander“ wird entstehen und den Weg ebnen für eine neue Gesellschaft.

Die Integration –ich denke nicht nur an die Ausländerintegration- würde einfach nebenbei ablaufen, weil es keine Abgrenzung wie vorher gäbe. Einwanderer in für sich abgeschottete Gebiete zu stecken empfinde ich so wieso als falsch, denn man kann dort mit seiner Sprache sprechen ohne die eigentliche Landessprache erlernen zu müssen, auch wenn dieses Vorgehen zu einem schnellen „Sich-heimisch-fühlen“ führt, so wird doch die so wichtige Integration unnötig erschwert und viel Geld verschleudert.

Das Ziel einer jeden Gesellschaft sollte sein, dass sich jeder als Teil eben dieser sieht und sich auch selbst so wahrnimmt, aber es den Mitmenschen ebenfalls spüren zu lassen, dass sie erwünscht sind.

Das ist doch der Sinn in Martin Luther Kings Satz:

„Wir müssen lernen, entweder als Brüder und Schwestern miteinander zu leben oder als Narren unterzugehen.“

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  1. #1 von Alien am September 27, 2012 - 8:06 pm

    „und ich meine nicht, dass geistig Gehandicapte mit nicht geistig Gehandicapten unterrichtet werden, das wäre ein Ding der Unmöglichkeit.“

    Genau das wird doch gerade begonnen. An wenigen Schulen wird der von der Behindertenkonvention geforderte inklusive Unterricht erprobt. Natürlich nicht mit einer Lehrkraft pro Klassenzimmer, sondern unterstützt durch entsprechend ausgebildete Sonderpädagogen.

    • #2 von erikschueler am September 27, 2012 - 8:15 pm

      Interessant! Ich bin gespannt auf die Ergebnisse 🙂

    • #3 von dieandereperspektive am Oktober 5, 2012 - 6:14 am

      Auch ich bin da gespannt, widerspricht dies doch massiv der Austeritätspolitik in der EU.

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