Töten 2.0

Von den Militärs geliebt und von Humanisten und Pazifisten verachtet.

Die Drohnen.

Im Militär gab es schon immer Probleme, dass das Töten von Menschen einigen Soldaten schwer gefallen ist, denn Gedanken wie: „Hoffentlich war er kein Familienvater.“ oder „Ich habe gerade jemanden getötet.“ sind selbstverständlich lästig und unbedingt abzustellen. Als Soldat verpflichtet man sich ja seinem Land und muss auch bereit sein zum Töten, aber dennoch unterschätzen viele Soldaten sich und ihre Gefühle zum Leben. Die Folgen bei Militärs, welche die Tötung nicht verarbeiten können sind fatal. Die alte Generation kennt vielleicht noch die sogenannte „Zitterkrankheit“, das nichts anderes als PTBS, Posttraumatische Belastungsstörung. Der Mensch kann ein bestimmtes Trauma nicht verarbeiten und das lässt ihn nicht mehr los. Daraus ergeben sich sehr viele Symptome wie: unkontrollierte Wutausbrüche, zittern der Hände oder anderen Körperpartien, emotionale Stumpfheit, Schlafstörungen, Albträume und Flashbacks. Wobei ich die Flashbacks -schlagartiges Wahrnehmen der Situation zur Zeit des Traumas- und die unkontrollierbaren Wutausbrüche am gefährlichsten halte, weil sie eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen (KenFM Spezial über PTBS).

Ein Beispiel zur Verdeutlichung.

Nehmen wir an ein US- Soldat hat PTBS bekommen und kommt vom Afghanistan“einsatz“ zurück nach Hause und trägt, weil er sich anders nicht mehr sicher fühlt, eine Waffe mit sich und wohnt in einer Großstadt. Jetzt braucht es nur einen Geruch, ein Geräusch, ein Gesicht, eine Form, einen Geschmack oder irgendetwas anderes was ihn an seine Traumasituation erinnert und dann spielt sein Gehirn ihm vor, dass er sich in eben dieser Lage befindet und er dreht durch und zieht seine Waffe, weil er die Erinnerung als Realität wahrnimmt.

Die einzige Möglichkeit für solche Menschen ist der Gang zum Psychologen. Es gibt keine Alternative für diese seelische Wunde.

Durch den Einsatz von Drohnen umgeht man erstens PTBS bei Soldaten, zweitens das erschwerte „Abdrücken“ und drittens spart man Kosten. Dadurch dass Drohnenpiloten nicht mal ihre Opfer face-to-face sehen geht ihnen auch jegliche Moral und Achtung vor dem Leben verloren. Es war ja nur ein Knopfdruck, welcher über Leben und Tod entschieden hat. MEHR war es ja nicht. Außerdem kommen wir durch den technischen Fortschritt mit Drohnen dem Zitat von John Osborne sehr viel näher.

„Der Computer ist die logische Weiterentwicklung des Menschen: Intelligenz ohne Moral.“

Und dieser Aspekt macht mir persönlich sehr viel Angst, wenn das Töten eines Menschen nichts weiter mehr ist. Es ist halt „bedeutungslos“ und „normal“.

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  1. #1 von Herr Kömmlich am September 10, 2012 - 8:34 pm

    Ich bin Pazifist, denke aber, damit es nicht zuviele Opfer gibt, ist diese Drohne das einzig logische Mittel, um bspw. Terroristen zu jagen. Obwohl man durchaus darauf achten müsste, nicht gerade auf offener Straße auf alles zu schießen was sich bewegt.

    • #2 von erikschueler am September 10, 2012 - 9:04 pm

      Leider sterben mehr Zivilisten als Terroristen. Aber das darf man nicht sagen, denn sonst wäre das Spielzeug doch nicht soooo toll.

      • #3 von Herr Kömmlich am September 11, 2012 - 5:40 pm

        Stimmt leider, aber was soll man machen? Amerika macht doch eh was „es“ will. 😦

  1. Töten 2.0 « ProErde

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