Grenzwertig

In unserer Gesellschaft sind Grenzen unerlässlich, wie zum Beispiel die Gesetzesgrenze, welche beim Überschreiten ein Gesetzesverstoß bedeutet und dem nach eine Strafe zur Folge hat. Aber es gibt auch andere Grenzen, welche scheinbar je nach Lage einfach mal verrückt werden.

Die Strahlenbelastungsgrenze

In Deutschland darf ein Mensch, laut Bundesamt für Strahlenschutz, im Jahr nur einer Strahlungsdosis von 1 mSv ausgesetzt sein. Da es eine natürliche Strahlung gibt, welche genau im Toleranzbereich liegt wird diese Grenze also nicht überschritten. Doch bei einmal Röntgen bekommt man eine Dosis von 2 mSv ab, d. h. man hat innerhalb von Minuten die erlaubte Dosis für zwei Jahre abgekriegt. Bei einer Ganzkörper- Computertomographie wird man einer Dosis von 20 mSv ausgesetzt.

Wenn in Deutschland jemand beruflich Strahlung ausgesetzt ist (Arbeiter eines AKWs), dann gibt es für ihn eine andere Grenze, die bei 20 mSv liegt. Aber auch hier kann je nach Situation entschieden werden, dass das Personal zum Beispiel 50 mSv ausgesetzt werden darf. Es scheint also eine recht variierbare Grenze zu sein und dass das auch so ist beweist ein Bericht der Bundesregierung. In dem steht, dass die Strahlenbelastung des Personals in den AKWs nur etwa zehn Prozent (1,7 Sv) ausmacht und die anderen 90 Prozent (12,8 Sv) auf das Strahlenkonto gehen von Fremdpersonal. Dieses Fremdpersonal hat den Namen „Nuklear- Nomaden“ und wird von einer Firma gestellt. Der Strahlenpass von diesen Nuklear- Nomaden hat eine viel höhere Belastungsgrenze für Strahlung als das AKW- Personal, denn sie müssen die lebensmüden Arbeiten ausführen, während das eigene Personal nur die gefährlichen Arbeiten verrichtet. In der firmeneigenen Statistik für Strahlenbelastung tauchen dem nach auch nur das firmeneigene Personal auf. Die Bezahlung fällt im Übrigen für die Nomaden wesentlich geringer aus als, dass des AKW- Personals.

Blicken wir mal zurück in das Jahr 2011 in den Monat März. Fukushima. Die Strahlenbelastungsgrenze für das Tepco- Personal lag vor dem GAU bei 100 mSv pro Jahr und in einem Noteinsatz durften sie nicht mehr als 150 mSv abbekommen. Doch während des GAUs waren sie einer Dosis von 170 mSv ausgesetzt und die jährliche Grenze wurde auf 250 mSv nach oben korrigiert. Nach dem Vorfall hat man die Strahlenbelastungsgrenze für Kinder in der Region von Fukushima auf 20 mSv hochgestuft.

Anscheinend gibt die Lage des Menschen den Grenzwert für die Strahlendosis an, welche man abbekommen darf.

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  1. #1 von Alien am Juli 30, 2012 - 12:55 pm

    Zitat von Wikipedia:

    Die höchste natürliche Strahlenbelastung weltweit findet sich im iranischen Ramsar mit einer jährlichen effektiven Dosis von ca. 200 mSv.

    Das wäre doch dann die vernünftigste Grenze. Was darüber hinaus geht, muss nach sehr strengen wissenschaftlichen Maßstäben als unbedenklich eingestuft werden.

    • #2 von erikschueler am Juli 30, 2012 - 1:14 pm

      Ziemlich hoch, aber jede noch so kleine Strahlendosis kann eine Veränderung des Erbmaterials zur Folge haben, d. h. auch die natürliche Strahlung von 1 mSv pro Jahr. Dem nach ist jede Strahlung über dieser Grenze eine unnötige Aussetzung von Gefahr.

      • #3 von Alien am Juli 30, 2012 - 1:21 pm

        Die Frage, die sich nicht stellt, ist, ob es schädlich ist. Jede ionisierende Strahlung (Wellenlänge kleiner als sichtbares Licht, UV, Röntgen, Gamma) zerstört Gewebe. Die Frage ist lediglich, wie viel kann der Mensch selbst wieder reparieren. Und hier eine Grenze festzulegen ist schwierig. Daher auch mein Vorschlag sich nach den natürlichen Vorkommen zu richten. Außer man stellt fest, dass in dieser iranischen Gegend die Krebsrate wesentlich höher ist. Dann sollte man es noch tiefer ansetzen, und sich überlegen, ob es sinnvoll ist, in solchen Regionen zu siedeln.

        Die Grenze von 1mSv ist ja eigentlich sinnlos, da es selbst in Deutschland Gebiete mit höherer natürlicher Strahlung gibt.

      • #4 von erikschueler am Juli 30, 2012 - 1:45 pm

        Daran habe ich jetzt überhaupt nicht gedacht. Dein Denkansatz ist plausibel, aber versuch den Leuten sowas mal klar zu machen.

      • #5 von Alien am Juli 30, 2012 - 6:47 pm

        „aber versuch den Leuten sowas mal klar zu machen.“

        Das ist nicht einfach. Noch schwieriger wird es, wenn Politiker aus durchsichtigen Gründen der Geldersparnis mal eben Grenzwerte hinaufsetzen. Das ist unlauter.

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